Die Villa der verwunschenen Spielsachen
Die Villa der verwunschenen Spielsachen
Yordanka Jaschke
Es war einmal eine verzauberte Villa, die
Tagsüber von vielen Kindern besucht wurde.
Die Kinder füllten das geheimnisvolle Haus
mit ihrem Lachen und ihrer Fröhlichkeit.
Sie kamen um zu spielen, zu lernen,
sie wollten springen, lachen und auch
um zu lernen, wie man teilt.
Schon früh am Morgen war das Haus von Kinderlachen
erfüllt. Sie waren fröhlich, gingen von ihren
gemächlichen Grosseltern, älteren Geschwistern,
hastigen Eltern, geduldigen Lehrern und
dem Geplapper der Mütter begleitet aus und ein.
Natürlich fühlten sich die Mütter wohl in dieser wunderbaren
Kinderwelt voller Regenbogenfarben und
Fantasie, wo Träume wahr wurden. Es war wie
wenn ein heisser, aromatischer Kaffee einen
unvergleichlich köstlichen Schokoladengeschmack erhält.
Eines Tages kamen die zwei Brüder Martin und Camilo,
nach Hause und erzählten von ihren besten
Freunden, Uauis und Celandro. Sie wünschten sich,
das die Mutter ihre Freunde kennenlernte.
An jenem Morgen, an dem die Mutter entschloss, die
beiden kennen zu lernen, staunte sie nicht schlecht,
denn Uauis und Celandro waren ganz anders,
als sie sie sich vorgestellt hatte, anderes als du und ich.
Es waren zwei Puppen aus feinem, wunderschönem Stoff.
Die besten Freunde ihrer Söhne waren also in der
geheimniswollen Welt der Fantasie zu Hause!
Und jeden Tag, nach all dem Kommen und Gehen, kam die
Nacht mit ihrem Wolkenmantel, den funkelnden Sternen und
dem hellen Mond. Über die verzauberte Villa.
Die Nachbarn erzählten sich, dass während der Nacht
Geräusche aus dem Haus dringen würden,
dass man Schritte und Gesang höre. Deshalb nannten es die
Alten das verwunschene Haus, das grosse Familienhaus,
das unseren Träume leben einhaucht. Denn wenn wir alle schlafen,
erwachen die Spielsachen zum Leben, wie du und ich,
und erzählen sich Geschichten, singen und Tanzen fröhlich lachend,
genauso wie die Kinder, ihre grossen Freunde.
Manchmal aber wurden die Spielsachen etwas traurig, denn
in der Nacht war alles dunkel in den Zimmern. Und weil es kein Licht gab,
setzten sich die Spielsachen manchmal einfach ans Fenster und starrten
hinaus, in der Hoffnung, irgendwann käme ein Licht, das die Räume erhellte.
Eines Nachts, während die Spielsachen friedlich miteinander
speilten, sahen sie, wie eine putzige Flamme durch den
benachbarten Garten wanderte.
Ausser sich vor Freude gaben die Spielsachen Zeichen
und zwinkerten mit den Augen, bis die Flamme
auf das Getümmel aufmerksam wurde und sich vor lauter
Neugier näherte um zu sehen, was da los ist.
Zu ihrer grossen Überraschung sah sich die Flamme plötzlich
umgeben von lauter Spielsachen, die sie mit leuchtenden Augen
anschauten.
“ Hallo.“sagte die Flamme
“ Hallo.“antworteten alle Spielsachen zusammen.
“ Wie kann ich euch helfen?“sagte die Flamme fröhlich.
“ Wir brauchen dich.“sagten alle im Chor.
Und so erzählten Uauis und Celandro der Flamme,
dass in der Nacht das ganze Haus dunkel ist und dass
sie sich nichts sehnlicher wünschten, als dass einmal Licht einkehrte.
“ Aber ich werde nicht bei euch bleiben können. Ich habe eine Mission
zu erfüllen. Viele Tage lang bin ich schon unterwegs
und habe Wälder durchwandert, habe von Stein zu Stein hüpfend
Flüsse überquert und habe allerlei Abenteuer erlebt,
nur damit ich in dieser Nacht in der Schule
an der grossen Erzählnacht dabei sein kann, wo alle Kinder sein werden.
“ Bitte, bitte, liebe Flamme. Kannst du danach nicht zu uns
zurückkehren, wenn du den Kindern all deine Geschichten
erzählt hast? Bitte! Bettelte eine schlaue Stimme.
“ Mmmm.“die Flamme überlegte noch etwas.“Natürlich!“
sagte sie endlich, und schlug einen Freudensalto.
“ Sobald die Erzählnacht vorüber ist, komme ich zu euch
und werde Licht in eure dunklen Zimmer bringen.
So können wir glücklich zusammen sein.“
“ Bravo! Hurra! Vielen, vielen dank!“
Und so setzte die Flamme ihren Weg fort,
glücklich vor Freude, den Kindern der Schule
Geschichten und Märchen zu erzählen.
Aber unter den vielen Kindern, Büchern und Geschichten
ging die Flamme verloren. An einem bestimmten Ort in
diesem Zimmer können wir die Flamme finden.
Und wenn wir alle zusammen suchen,
werden wir sie finden. Derjenige, der sie findet,
kann sie mir geben, damit ich ihr den Weg zur Villa zeigen kann,
damit sie für immer bei ihren neuen Freunden bleiben kann.
Yordanka Jaschke.